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Borat (2006)
Von seiner kasachischen Regierung wird Borat (Sacha Baron Cohen) nach Amerika geschickt, um eine Dokumentation über das Leben in den USA zu drehen. Also schnappt sich der TV-Moderator seinen besten Kumpel Azamat (Ken Davitian), einen abgehalfterten Eiswagen, eine Kamera und filmt ungeniert drauf los.
Als „Ali G“ wurde der britische Komiker Sacha Baron Cohen berühmt. In seiner respektlosen Fernsehshow interviewte er ahnungslose Zeitgenossen im unverfrorenen Straßenjargon. Aus dem schrillen Möchtegernluden entwickelte er anschließend Borat, einen noch wesentlich respektloseren Kasachen, den er ebenfalls als TV-Journalisten tarnte. Mit schwer wiegenden Folgen. Denn der echten kasachischen Regierung ist der penetrante, frauenverachtende und judenfeindliche Charakter seither ein Dorn im Auge. Unbeirrt folgt mit „Borat“ der erste Spielfilm zur umstrittenen Persönlichkeit. Oder besser gesagt: die Halbdokumentation zur Kunstfigur. Denn die Menschen, die Borat alias Cohen, der im Übrigen selber Jude ist, auf seiner Amerikareise trifft, sind echte Passanten. Ihre Reaktionen auf seine unanständigen Manieren sind authentisch. Dabei kann es schon mal passieren, dass er schockierten Dinner-Damen, seine Notdurft auf den Tisch legt oder auf einem Rodeo das patriotische Herz der anwesenden Zuschauer waghalsig verprellt. Das alles verpackt Cohen in grandiose Unterhaltung, die sein Talent zur spontanen Improvisation eindrucksvoll unter Beweis stellt. Mit „Borat“ ist ein Film entstanden, der sich in seiner Respektlosigkeit mit keinem anderen Werk vergleichen lässt und am besten als Brachialkomödie definiert werden kann. Im Sekundentakt schlagen derbe Späße wie mit dem Presslufthammer auf den Zuschauer ein. Wer einen derartig schmutzigen Dauerbeschuss aushalten kann, den erwartet nicht nur eine neuartige Mixtur aus Dokumentation und Fiktion, sondern gleichfalls ein unübertroffen streitbares Highlight des laufenden Kinojahres.
Oliver Zimmermann (Erstellt für: Bremer 11/2006)
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