Little Children (2007)

Vor fünf Jahren wagte Schauspieler Todd Field in seinem Regiedebüt „In The Bedroom“ einen emotionalen Blick in die Wohnstuben US-amerikanischer Vorstädter. Mit „Little Children“ führt er diesen Weg konsequent fort. Zwar ist die Stimmung diesmal nicht ganz so trübe wie in seinem Erstling, dafür steht wiederum der Facettenreichtum menschlicher Gefühle im Vordergrund.

Sarah (Kate Winslet) ist gelangweilt. Sie fühlt sich zu jung, um mit anderen Ehefrauen und Müttern tratschend am Sandkasten zu sitzen. Mit Brad (Patrick Wilson), einem männlichen Seelenverwandten, tröstet sie sich über ihren Ehealltag hinweg. Die Affäre zu verbergen ist nicht schwer, denn die Nachbarn sind damit beschäftigt, den verurteiltenKinderschänder Ronnie (Jackie Earle Haley) zu verjagen, der sich in der Nachbarschaft niedergelassen hat.

Mit melancholischer Bildsprache und leisem Humor nähert sich Field den inneren Sehnsüchten seiner vornehmlich einsamen Vorstädter, die ihre unausgelebten Träume hinter erzkonservativen Fassaden verbergen und die direkte Konfrontation mit ihren Sehnsüchten scheuen. Wer nicht der Norm entspricht, wird ausgegrenzt. Also werden die eigenen Wünsche möglichst tief vergraben. Auch Sarah zieht sich lieber zurück, als mit ihrem Mann über die eingeschlafene Ehe und ihre Zukunftspläne zu sprechen.

Die Hetzjagd auf den Kinderschänder passt ins Bild. Die paranoiden Anfeindungen helfen weder dem Verurteilten noch sorgen sie für Frieden, im Gegenteil: Es reicht schon, dass Ronnie im Schwimmbad auftaucht,umhysterische Massenpanik auszulösen. Den schwierigen Umgang mit einem Sexualstraftäter auch aus Tätersicht zu thematisieren ist ein gewagter Ansatz. Field gelingt das bravourös, da er es vermeidet, eindeutig Stellung zu beziehen.

Er beweist erneut, dass er es eindrucksvoll versteht, in die Seelen seiner Figuren zu blicken. Zwar ist die Handlung bisweilen zu formelhaft geraten, aber auf sein Ensemble kann Field sich verlassen. Vor allem Kate Winslet gefällt als gebildete Mutter, die nicht als Hausfrau versauern möchte. Daneben überzeugt Jackie Earle Haley als pädophiler Freigänger.
Oliver Zimmermann
(Erstellt für: Stuttgarter Nachrichten - 26.04.2007)
 
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