Höllentour (Deutschland 2004)

Im vergangenen Jahr feierte die Tour de France ihren 100. Geburtstag. Seit 1903 kämpfen Radfahrer aus aller Welt um den prestigeträchtigen Sieg. Die Tour, traditionell in drei Wochen durchgeführt, gilt als schwerster Sportwettbewerb der Welt. Für viele Franzosen ist die Tour „im größten Stadion der Welt” sogar ein noch größeres Ereignis als die Olympischen Spiele oder die Fußballweltmeisterschaft.

Dokumentarfilmer und Oscar-Preisträger Pepe Danquart („Schwarzfahrer”) durfte im Jubiläumsjahr der Tour de France das deutsche Team Telekom über die gesamten drei Wochen eng begleiten. Er präsentiert ein seinem jetzt anlaufenden Kinofilm die Sportgrößen Erik Zabel, Rolf Aldag und Alexander Winokurow von ihrer menschlichen Seite.

Der Schwerpunkt seiner „Höllentour” liegt nicht auf den sportlichen Leistungen, sondern auf den stillen Momenten abseits der Strecke. Danquart will keine auf Spielfilmlänge aufgeblähte Sportberichterstattung, sondern ein Abbild der psychischen und physischen Qualen, die mit der „Tour der Leiden” verbunden sind. Danquart zeigt die nachdenklichen Augenblicke nach den einzelnen Etappen. Sogar bei den Taktikbesprechungen am frühen Morgen und bis in die Badewanne darf er die Sportler und Funktionäre mit seiner Kamera begleiten.
Die dargebotene Menschlichkeit ist die große Stärke in der unkommentierten Dokumentation. Kritische Töne über den von Dopingvorwürfen überschatteten Sport werden hingegen nicht angeschlagen. Auch von Konkurrenzkampf und Neid unter den Sportlern ist nichts zu spüren. Das Team Telekom präsentiert sich als eine große Familie. Und selbst dem größten Rivalen wird der Erfolg gegönnt.
„Höllentour” ist die aufregende Innenansicht eines Rennteams, die in jedem Radsportfan die Vorfreude auf die Tour 2004 wecken wird. Die startet am 3. Juli mit dem Prolog in Liège.

Oliver Zimmermann
(Erstellt für: Rhein-Neckar-Zeitung 11.06.2004)
 
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