Finnischer Tango (2008)

Der Finnische Tango ist eine Variante des Tango Argentino mit absteigender Melodie, die häufig in Moll gespielt wird. Aki Kaurismäki setzt diese musikalische Spielart regelmäßig ein, um die lakonische Atmosphäre in seinen Filmen zu unterstreichen. In „Finnischer Tango“ von Buket Alakus, dient der Tango wiederum dazu, die Gemütsverfassung der Hauptfigur zu charakterisieren.

Alexander (Christoph Bach) ist Vollblutmusiker. Sein Akkordeon liebt er mehr als seine beiden Kumpels, mit denen er erfolglos durch Deutschland tourt. Als sich einer der beiden das Leben nimmt und der andere daraufhin die Musik an den Nagel hängt, steht Alexander ganz unvermittelt vor dem Nichts. Ohne Wohnung, Band und Einkommen ist er mitten in Norddeutschland gestrandet. Seine einzige Chance, zurück auf die Beine zu kommen, ist eine Anstellung bei einem kleinen Bremer Theater. Dazu müsste er allerdings eine Behinderung vorweisen. Um an den Job zu kommen, gibt Alexander daher vor, an Epilepsie zu leiden. Die Arbeit erhält er daraufhin zwar nicht, dafür wird er immerhin in eine betreute Behinderten-WG einquartiert.

Nach „Anam“ und „Eine andere Liga“ kehrt Buket Alakus mit einem tragikomischen Streifen ins Kino zurück. Die türkischstämmige Regisseurin beweist dabei erneut, dass abgeschliffene Geschichten nicht ihrem Naturell entsprechen. Auch in „Finnischer Tango“ bekommt es der Zuschauer mit Figuren voller Ecken und Kanten zu tun, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während sich Alexander als Aufschneider durchs Leben schlängelt, müssen sich seine WG-Genossen nicht nur mit ihren Behinderungen, sondern ebenso mit den Vorurteilen ihrer Mitmenschen arrangieren. Beide Parteien sind gewissermaßen Lebenskünstler – nur unter anderen Voraussetzungen.
 
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