Interview mit Zhang Yimou (2002)

Mannheim (oz) Als der Chinese Zhang Yimou auf der Berlinale für sein Regiedebüt "Das rote Kornfeld" den Goldenen Bären erhielt, stieg 1988 schlagartig ein neuer Stern am internationalen Filmkunst-Firmament empor. Sein traumhaft traumatisches Epos beeindruckte durch eine bis dato ungeahnte Bildgewalt und Farbkomposition. Später ließ er weitere Meisterwerke wie "Leben", "Die rote Laterne" oder "Heimweg" folgen. Für nicht wenige Cineasten zählt er daher zu den 10 besten Regisseuren aller Zeiten. Auf dem 51. Filmfestival von Mannheim-Heidelberg wurde Zhang Yimou, dessen Großstadtmärchen "Happy Times" am 5. Dezember 2002 in die deutschen Kinos kommt, eine Retrospektive seiner bisherigen Werke gewidmet. Zudem erhielt er in einer Galaveranstaltung die Urkunde "Master of Cinema". Eine von mittlerweile über 50 persönlichen Auszeichnungen für Zhang Yimou. Wir trafen den "Meister" in Mannheim.

Sie werden weltweit mit Preisen überhäuft und als Meisterregisseur verehrt. Erschwert das die zukünftige Arbeit?

Zhang Yimou: Es ist für mich eine Ehre, dass ich im Ausland soviel Anerkennung erhalte. Meine Arbeit wird dadurch jedoch nicht beeinflusst. Ich habe meinen eigenen Stil, den ich unbedingt behalten will. Durch den positiven Zuspruch aus Europa versuche ich allerdings verstärkt darauf zu achten, dass meine Filme auch von einem Publikum verstanden wird, das nicht unbedingt mit der chinesischen Kultur verwurzelt ist. Ich möchte schlichte Filme für ein allgemeines Publikum drehen und mit kleinen Dingen Großes sagen.

Ihre Karriere als Regisseur begannen sie mit historischen Epen. Jetzt sind sie bei kleineren Gegenwartsgeschichten gelandet. War das ein bewusster Prozess?
 
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