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Interview mit Zhang Yimou (2002)
Zhang: Nein, das war in dieser Form nicht beabsichtigt. Ich möchte viele unterschiedliche und neue Themen realisieren. Dass viele meiner früheren Werke in der Vergangenheit spielen, liegt eher daran, dass ich mir zu einer Handlung, z.B. zu "Die rote Laterne" immer eine spezielle Farbe vorstelle, die das Grundgefühl des Films widerspiegeln soll. Das gelingt mir bei historischen Themen besser als bei Themen aus der Gegenwart.
"Die rote Laterne" beruht wie alle ihre bisherigen Werke auf einer literarischen Vorlage. Was reizt sie an diesen Adaptionen? Zhang: Ich benutze Romane als Einstieg in ein Thema. Zuerst sehe ich nur die Handlung. Wenn mich der Stoff fasziniert, entwickeln sich daraus schließlich Personen, die sich zunehmend Visualisieren. Den Roman nutze ich dafür nur als vage Grundlage. Um den Text baue ich dann meinen eigenen Film. Die Vorlage zu "Heimweg" hatte etwa gar keine Rahmenhandlung, die in der Gegenwart spielt und bei "Happy Times" ging es im Grunde nur um den arbeitslosen Fabrikarbeiter. Das blinde Mädchen habe ich komplett erfunden. Das Mädchen wird von Dong Jie gespielt, die sie über das Internet casteten... Zhang: Das Internet fasziniert mich sehr. Für einen chinesischen Film war diese Vorgehensweise eine Prämiere. Mit großem Erfolg. Es meldeten sich über 10.000 Bewerberinnen aus aller Welt. Ich habe das Internet auch deshalb gewählt, weil die meisten Mädchen, die auf eine Filmakademie gehen, schon über 18 Jahre alt sind. Ich brauchte aber eine exzellente Darstellerin, die wesentlich jünger wirkt. In China stieß meine Vorgehensweise auf geteiltes Echo. Die einen fanden es sehr gut und die anderen befürchten, dass jetzt alle Schüler nur noch Filmstars werden wollen und deshalb zuhause nicht mehr brav sind. |
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